Die Basics zu Gewicht und Zuladung - das Gesetz der Schwerkraft

Endlich, Urlaub! Und alles könnte so schön sein: Wohnmobil oder Wohnwagen vollpacken – bloß nichts vergessen, zur Sicherheit von allem gern ein bisschen mehr! Stauräume sind ja reichlich vorhanden, und die riesige Heckgarage schreit geradezu danach, raumgreifend befüllt zu werden! Wenn sich jetzt noch Ihre vier Kinder, die Sie gerade aus der Intensivbetreuung der Weight-Watchers abgeholt haben, darüber freuen, dass außer den E-Bikes auch die Oma mitdarf, dann müssen wir Ihnen zurufen: Achtung, Sie sind wahrscheinlich überladen!
Überladen ist Ihr Fahrzeug, wenn es – inklusive Mitfahrern, Gepäck, und überhaupt allem – tatsächlich mehr wiegt als sein „zulässiges Gesamtgewicht“. Die uns alle bewegende Frage lautet also: Wieviel Gewicht darf ich in den Wohnwagen oder ins Wohnmobil packen?
Die Lösung ist einfach, das kleine Einmaleins der maximalen Zuladung lautet:
Zuladung = Gesamtgewicht – Leergewicht. Beide Werte finden sich im Fahrzeugschein.
Wenn unser Reisemobil also über ein zulässiges Gesamtgewicht von 3.500 KG verfügt, und das Leergewicht mit 2.800 KG ausgewiesen wird, dann verbleiben uns 700 KG als Zuladung. Für Wohnwagen gilt natürlich das gleiche Prinzip mit meist niedrigeren Werten.
Zwei Faktoren müssen wir bei dieser Rechnung im Auge behalten:
Gut für uns: Im Leergewicht enthalten sind bereits der Fahrer mit 75 KG Gewicht, der zu 90% gefüllte Dieseltank, ein voller Frischwassertank, Gasflasche und Kabeltrommel.
Nicht so gut für uns: Im Leergewicht nicht enthalten sind die „heimlichen Gewichtsfresser“: Nämlich alle nachgerüsteten Zubehörteile. Komfortfeatures wie Markise (etwa 30 KG) , SAT-Anlage (mit TV ca. 20 KG), Mover, Fahrradträger und Konsorten summieren sich mit ihrem Eigengewicht oft zu nennenswerten Massen. Damit ist bereits ein kleiner Teil der zur Verfügung stehenden Zuladung fest vergeben.
Die rechnerisch ermittelte Zuladung liefert bereits einen guten Anhaltspunkt. Echte Gewissheit und letzte Sicherheit verschafft allerdings nur das Wiegen des Fahrzeugs, was wir Ihnen auch dringend anraten möchten. Für kleines Geld lassen sich entsprechende Waagen bei TÜV- und Dekra-Prüfstellen, bei Abfallentsorgungsstationen und Recyclinghöfen nutzen. Entweder fährt man dort mit dem urlaubsfertig beladenen Fahrzeug (und allen Mitfahrern) vor, oder man wiegt vorab das leere Fahrzeug und addiert später beim Packen mittels Personen- oder Kofferwaage die einzelnen Gewichte.

Und was ist so schlimm an ein paar Kilo mehr?

Überladungen bei Wohnmobilen und Wohnwagen kommen leider häufig vor, meist aus Unachtsamkeit. Im Idealfall bleiben sie unbemerkt und folgenlos, wenn es schlecht läuft droht hingegen massiver Ärger.
Das wichtigste Argument für die Einhaltung der Gewichtsgrenze ist Ihre eigene Sicherheit, denn überladene Fahrzeuge leiden unter schlechterem Handling und verminderter Fahrstabilität. Das kann in Extremsituationen bis zum Ausbrechen des Fahrzeugs und Unfällen führen. Zwangsläufig verlängert sich immer auch der Bremsweg durch das zusätzliche Gewicht.
Die Polizei schaut deshalb genau hin und lädt den Camper auf Urlaubsfahrt gerne mal zu einer spontanen Gewichtskontrolle ein. Wenn sich das Fahrzeug dann im roten Gewichtsbereich präsentiert, beginnt das Ungemach. Bereits ab 5% Überladung fängt der Bußgeldkatalog mit zunächst moderaten Strafzahlungen an, schwingt sich dann mit steigender Überladung bis zu einem Spitzenwert von 235 Euro auf. Zusätzlich erhält man einen Bonuspunkt in Flensburg.

Die Gesetze der Schwerkraft sind in allen Ländern gleich, die Strafen für Überladung nicht:

Im internationalen Vergleich rangieren diese Strafen allerdings auf Regionalliga-Niveau. Andere Länder können viel teurer: Österreich und Spanien zum Beispiel spielen mit Höchststrafen bis zu sagenhaften 5.000 Euro in der Champions-League der europäischen Maßregelungen.
Abgesehen von Geldstrafen stehen noch weitere Sanktionen im Raum: Die Polizei darf bei Überladung anordnen, Gewicht aus dem Fahrzeug zu entfernen – oder kann im Extremfall die Weiterfahrt komplett untersagen. Das möchten Sie im Urlaub nicht erleben.
Damit immer noch nicht genug: Bei einem Unfall mit überladenem Fahrzeug droht der Verlust des Versicherungsschutzes. Und falls Sie einen Führerschein der Klasse B besitzen, mit dem Sie Fahrzeuge bis 3.500 KG Gesamtgewicht fahren dürfen, Ihr Wohnmobil aber deutlich über diese Grenze beladen ist, steht auch noch „Fahren ohne Fahrerlaubnis“ zur Debatte.

Und wenn die Zuladung einfach nicht ausreichen will?

Die erlaubte Zuladung variiert von Fahrzeug zu Fahrzeug stark. Modelle mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 7.500 KG lassen sich meist sorgenfrei beladen; ihre Gewichtsreserven sind in der Regel so üppig bemessen, dass sie selten zum limitierenden Faktor werden. Für diese Fahrzeuge ist die entsprechende Führerscheinklasse 3 oder C1 (siehe Infos zu Führerscheinklassen) Voraussetzung.
In der 3.500-KG-Klasse wird die Angelegenheit meist spannender. In Abhängigkeit vom Grundriss, der Fahrzeuggröße und der Bauweise verbleiben manchmal Zuladungskapazitäten, die man genau im Auge behalten muss. Naturgemäß haben alleinreisende Paare dabei weniger Gewichts-Malheur als die sechsköpfige Familie.
Wenn die Zuladung beim 3,5-Tonnen Fahrzeug partout nicht ausreichen will, oder bei der Auswahl des Urlaubsgepäcks einfach zu stark einschränkt, dann besteht häufig die Möglichkeit, das Fahrzeug „aufzulasten“. Bei einer Auflastung wird das zulässige Gesamtgewicht von ursprünglich 3,5 Tonnen auf beispielsweise 3,85 oder 4 Tonnen erhöht und entsprechend in den Fahrzeugpapieren dokumentiert. Der gewünschte Effekt dieser Maßnahme liegt in einer ebenfalls gesteigerten Beladungskapazität.
Eine Auflastung kann auf zwei Arten erfolgen:

  • Ohne technische Änderungen am Fahrzeug („Papierauflastung“): Manche Wohnmobile und Caravans wurden vom Hersteller ursprünglich für stärkere Belastungen gebaut, sie wurden lediglich aus zulassungs- und führerscheintechnischen Gründen mit 3.500 KG eingetragen. Dann lässt sich das Fahrzeug ohne viel Aufwand in eine höhere Gewichtsklasse aufwerten, ohne dass technische Änderungen nötig werden. Der Hersteller stellt dazu eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus, die man bei einer Prüfstelle von TÜV/Dekra abnehmen und eintragen lässt.
    Die „Papierauflastung“ ist die einfachere und günstige Lösung. Ob sie bei Ihrem Fahrzeug möglich ist, weiß der Servicepartner Ihres Vertrauens (zum Beispiel unsere Servicecenter Mannheim oder Wertheim).
  • Mit technischen Änderungen: Wenn eine Papierauflastung für Ihr Fahrzeug nicht vorgesehen ist, werden Modifikationen am Fahrzeug unumgänglich. Umfang und Art sind individuell vom jeweiligen Modell und dem gewünschten Zugewinn abhängig. Als Austauschkandidaten für eine höhere Traglast kommen Fahrwerksteile wie Federn, Räder und Reifen in Frage. Was bei Ihrem Fahrzeug technisch möglich ist, und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen, erfahren Sie ebenfalls in aller Ausführlichkeit bei einem Beratungsgespräch in unseren Servicecentern in Mannheim oder Wertheim). In diesem Zusammenhang ist auch der Einbau einer Voll- oder Zusatzluftfederung eine Überlegung wert. Neben der gewonnenen Zuladung lässt sich damit auch ein Plus an Fahrkomfort verbinden.
    Generell sollte man bei jeder Auflastung berücksichtigen, dass der eigene Führerschein die neue Gewichtsklasse abdecken muss. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht sind zudem im Ausland von anderen Mautregelungen betroffen, hier erhöhen besonders unsere österreichischen Freunde mit Einfallsreichtum ihren Staatsreichtum. Auch auf unseren heimischen Autobahnen bleibt der Umbau nicht folgenlos, denn die erlaubte Höchstgeschwindigkeit reduziert sich auf 100 Km/h.Damit hätten wir das Thema Zuladung grundlegend ausgeleuchtet.

Als kleines Bonbon – weil Sie den ganzen Text bis zum Ende gelesen haben – kommt hier noch ein Tipp, den fast alle erfahrenen Camper beherzigen: Füllen Sie den Frischwassertank auf der Urlaubsfahrt nur mit der unterwegs benötigten Mindestmenge! Bei einem typischen Fassungsvermögen von 120 Litern kommen Sie damit auf eine Gewichtsersparnis von ungefähr 100 KG.